Lin May Saeed

Die deutsch-irakische Künstlerin Lin May Saeed setzte sich in ihrer Arbeit kritisch mit der Beziehung von Menschen und Tieren auseinander und stellte die Hierarchien zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen infrage. In ihren Zeichnungen und Skulpturen spielen Tiere keine symbolische oder dekorative Rolle, sondern werden als aktive Protagonist:innen dargestellt. Damit interfragte Saeed eurozentrische Denktraditionen, die den Menschen in der Regel ins Zentrum stellen und Tiere instrumentalisieren.

In ihrem künstlerischen Werk nahm Saeed Bezug auf historische Denker:innen, die aufgezeigt haben, dass Tiere menschliche Gesellschaften lange vor der Entstehung moderner Staaten und Nationen geprägt haben. Dies wirft eine grundlegende Frage auf: Warum haben wir Menschen das Bedürfnis, uns von der Natur und allen anderen Lebewesen abzugrenzen?

In den Arbeiten von Saeed bewohnen Menschen und Tiere eine gemeinsame Welt, die von Solidarität statt Dominanz geprägt ist. Ihre Kunstwerke bieten einen Einblick, wie Koexistenz aussehen könnte: eine alternative Form des Zusammenlebens, geprägt von Fürsorge statt Kontrolle. Mit ihrer Arbeitet leistete die verstorbene Saeed einen bedeutenden Beitrag zu aktuellen Debatten zu aktuellen Debatten über ethische Fragen im Zusammenhang mit Speziesismus. In ihrem Werk begegnet sie Tieren weder mit Sentimentalität noch mit Gewalt, sondern als gleichberechtigte Wesen.

LIN MAY SAEED (1973–2023) war eine deutsch-irakische Künstlerin und Tierrechtsaktivistin. Die Frage nach einer Koexistenz zwischen Mensch und Tier fand auch Eingang in Saeeds künstlerische Praxis. Sie arbeitete vor allem mit Skulpturen, oft aus einfachen Materialien wie Styropor, und entwickelte eine Bildsprache, die mythologische, religiöse und aktivistische Erzählungen miteinander verknüpft. Ihre Werke und Schriften schlugen eine mitfühlende Neukonzeption der Beziehungen zwischen den Spezien vor und stellten Befreiung und Versöhnung als skulpturale und soziale Akte dar.

2023 verstarb die Künstlerin kurz vor der Eröffnung ihrer Einzelausstellung The Snow Falls Slowly in Paradise im Georg Kolbe Museum in Berlin. Posthum wurde ihr Werk in Einzelausstellungen im GAMeC (Bergamo, 2024), Sapieha Palace in Vilnius (2025) und im Buitenplaats Kasteel Wijlre (2025) präsentiert. Ebenfalls zu sehen waren ihre Arbeiten an der Manifesta 15 (Barcelona, 2024), Biennale Gherdëina 9 (St. Ulrich, 2024), 9. Berlin Biennale (Berlin, 2016). Zu ihren Gruppenausstellungen gehören Präsentationen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (2018), Museum of Contemporary Art Antwerp (2021) und Museo Castello di Rivoli (2018). Ihre Werke befinden sich in bedeutenden Sammlungen, darunter das Centre Pompidou Paris, das Nationalmuseum für Kunst in Oslo, das Museum Folkwang in Essen, das Westfälische Landesmuseum und die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland.

Saeed studierte von 1995 bis 2001 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Luise Kimme und Tony Cragg. Ihre Arbeit wurde mit dem Peter-Mertes-Stipendium des Bonner Kunstvereins (2011), dem Stipendium für Bildhauerei im Gasmesserhaus, Zürich-Schlieren (2006) und der Studienstiftung des Deutschen Volkes (2000) ausgezeichnet.

Kollektives Lernen

Museumsnacht 2026

Eröffnung Kostenlos

Eröffnung der Ausstellungen

Kunsthalle Kids

Für Kinder ab 5 Jahren

Kostenlos

Einführung Lehrpersonen

mit Ursina Leutenegger (Collective Learning, Kunsthalle Bern)